Vorstellung

   

 

DB - Roger Bacon OFM, (Rogerius Baco, Somerset –Ilchester– vel Bilsey –Gloucester–, c. 1214/1220 - Oxford, post. 1292), doctor mirabilis.

Diese Seite ist dem franziskanischen Philosophen und Wissenschaftler Roger Bacon gewidmet. Ihr vorrangiges Ziel ist es, eine Datenbank (DB) zu schaffen, die die Informationen zu seinen Werken systematisch aufbereitet und den Veröffentlichungszustand seiner authentischen sowie der ihm zugeschriebenen Schriften dokumentiert, wobei sowohl verfügbare Editionen als auch Angaben zu Handschriften berücksichtigt werden. Diese Informationen erschließen zugleich Daten zu seiner Biographie.
Dies ist ein notwendiger Schritt auf dem Weg zu einer kritischen Edition der Werke Roger Bacons. Der Großteil seiner für authentisch befundenen Schriften wurde in 16 Faszikeln von Robert Steele und Ferdinand M. Delorme in den Opera hactenus inedita Rogerii Baconis [OHI] zwischen 1905 und 1941 herausgegeben. Später erschienen einige weitere Werke, so wie auch gegenwärtig an neuen Editionen gearbeitet wird. Die diese Editionen begleitende Forschungsliteratur ist beträchtlich und enthält Versuche, Bacons Werke zu katalogisieren.
Gleichwohl ist es bislang nicht gelungen, mit Präzision die Liste seiner Werke zu identifizieren und mithin auch nicht die einschlägigen Editionen und Handschriften. Die uns vorliegenden Handschriftenbeschreibungen aus verschiedenen Katalogen sind sich in der Zuschreibung der Werke zu Roger Bacon oftmals nicht einig; ebensowenig herrscht Konsens darüber, ob bestimmte Schriften als selbständige Werke oder als Teile umfangreicherer Arbeiten zu gelten haben. Ferner gilt, dass die Ausgabe der OHI zwar verdienstvoll ist, doch oftmals nur auf einer Handschrift beruht (was in einzelnen Fällen gravierende Konsequenzen hat) und einen Quellenapparat vermissen lässt. Ohne einen solchen ist es jedoch nahezu unmöglich, sich dem geistigen Universum des Autors zu nähern.
Bereits in früheren Jahrhunderten, nämlich in humanistischer Zeit, wurden Editionen von Werken Bacons (teils mit falscher Zuschreibung) veranstaltet. Indes beginnt die Tradition der Bacon-Studien erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Ausgabe des Opus maius von John Henry Bridges, das 1897 in Oxford erschien (der erste Druck stammt aus dem Jahr 1733). Ohne Zweifel wird man sagen dürfen, dass das Bacon-Jubiläum zu seinem 700. Geburtstag seiner systematischen Erforschung einen entscheidenen Auftrieb gegeben hat, so vor allem der Gedenkband von Andrew George Little (ed.) (1914), Roger Bacon: essays contributed by various authors on the occasion of the commemoration of the seventh centenary of his birth, Oxford; ein Werk, das zu vergleichen ist mit Jeremiah M.G. Hackett (ed.) (1997), Roger Bacon and the Sciences. Commemorative Essays, Leiden-New York-Köln, das ebenfalls dem Andenken an Bacon gewidmet ist.
Das sehr geringe akademische Interesse an Bacon bis zu diesem Zeitpunkt lässt sich mit den Ereignissen des 29. November 1268 in Verbindung bringen, an dem Bacons Freund Papst Clemens VI. verstarb. Es kam daraufhin zu zahlreichen Verboten des lateinischen Aristotelismus (so etwa die Verurteilung von Paris im Jahr 1277), die das Interesse an Bacons Werk deutlich schmälerten und ihn als pseudo-wissenschaftlichen Magier, Astrologen und Alchimisten erschienen ließen.  
Die gegenwärtige Situation ist mithin gekennzeichnet vom Fehlen einer soliden Tradition der Beschäftigung mit Roger Bacon: zwar liegen die meisten seiner authentischen Schriften heute gedruckt vor, doch bedarf eine angemessene Lektüre derselben noch immer einer erneuerten editorischen, exegetischen, systematischen und analytischen Anstrengung.
    In Kürze werden die für diese Roger Bacon-Datenbank gesammelten Informationen öffentlich zugänglich gemacht werden. Das Projekt erhält Unterstützung von zahlreichen renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die zu Roger Bacon arbeiten, wie z.B. Agostino Paravicini, Michela Pereira, Cecilia Panti und Nicola Polloni; es profitiert darüber hinaus von den bibliographischen Ressourcen, die die SISMEL und Francesco Santi zur Verfügung stellen. Ich bin überzeugt, dass diese Liste rasch anwachsen wird.

Óscar de la Cruz (April 2016) [Übersetzung von Alexander Fidora]